{"id":4664,"date":"2019-07-27T23:45:43","date_gmt":"2019-07-27T15:45:43","guid":{"rendered":"https:\/\/semper.cyon.site\/kuboid\/?p=4664"},"modified":"2019-08-16T20:06:20","modified_gmt":"2019-08-16T12:06:20","slug":"das-geheimnis-des-umgestuelpten-wuerfels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/das-geheimnis-des-umgestuelpten-wuerfels\/","title":{"rendered":"The secret of the invertible cube"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><i class=\"fas fa-external-link-alt\"><\/i> Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.brandeins.de\/magazine\/brand-eins-wirtschaftsmagazin\/2017\/ueberraschung\/das-geheimnis-des-umgestuelpten-wuerfels\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">brand eins Magazin<\/a>, 2017<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Text: Dirk B\u00f6ttcher | Fotografie: Michael Hudler<\/p>\n<h2>Paul Schatz schuf aus einer altbekannten Form eine ganz neue \u2013 um die Welt zu ver\u00e4ndern. Sein Enkel baut nun auf dieser Idee ein Unternehmen auf.<\/h2>\n<blockquote><p>Ein Schiffsantrieb, der effizienter als die \u00fcblichen rotierenden Schrauben arbeitet und gleichzeitig die Wasserqualit\u00e4t verbessert? Klingt erstaunlich. Aber genau das hat Tobias Langscheid vor \u2013 mithilfe eines umgest\u00fclpten W\u00fcrfels.<\/p><\/blockquote>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css=&#8221;.vc_custom_1564245700551{margin-bottom: 2rem !important;}&#8221;][vc_column][vc_single_image image=&#8221;4686&#8243; img_size=&#8221;full&#8221;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Der Schweizer steht an diesem k\u00fchlen Samstagmorgen im Februar am Duisburger Hafenbecken. Er tr\u00e4gt Anorak und Bommelm\u00fctze. Heute soll zum ersten Mal funktionieren, was sich sein Gro\u00dfvater vor fast 90 Jahren ausgedacht hat.<\/p>\n<p>Der umgest\u00fclpte W\u00fcrfel bestimmt das Leben der Familie seit drei Generationen. So als h\u00e4tte es nie einen anderen Zweck als diesen f\u00fcr sie gegeben. Lange war es die Geschichte eines meist tragischen Scheiterns. Langscheid hat versucht, sich von diesem Erbe zu l\u00f6sen. Das hat aber auch nicht geklappt.<\/p>\n<p>Die meisten scheitern schon dabei, sich einen von innen nach au\u00dfen gekrempelten W\u00fcrfel \u00fcberhaupt vorzustellen. Wer bis hierhin noch folgen kann, f\u00fcge die nun aufgeklappte zweidimensionale Form zu einem neuen dreidimensionalen K\u00f6rper zusammen. Daraus l\u00e4sst sich ein Oloid ableiten, dessen Beschreibung nicht nur in der Vorstellung, sondern auch in Worten schwerf\u00e4llt: eine Art doppelkegeliger Zylinder mit Kanten \u2013 ein physikalisches Wunder. Es besitzt zwei verschiedene Drehpunkte, bremst und beschleunigt zugleich. Langscheid spricht von einer rhythmisch-pulsierenden Bewegung, der sogenannten Inversion. Mit der lie\u00dfe sich, so die Idee, auch ein relativ gro\u00dfes Schiff mit wenig Kraft durchs Wasser bewegen.<\/p>\n<p>Tobias Langscheid vergleicht die Bewegung eines Oloids mit den rhythmischen und in verschiedene Richtungen wirkenden Schl\u00e4ngel- und Sto\u00dfbewegungen von Fischen. Der erste Prototyp h\u00e4ngt an diesem Samstagvormittag im Wasser des Duisburger Hafenbeckens. Zwei kleine Elektromotoren, die es nicht einmal mit der Leistung eines Handr\u00fchrger\u00e4tes aufnehmen k\u00f6nnten, sollen das Boot zur Probefahrt beschleunigen. \u201eWer einen W\u00fcrfel umst\u00fclpen kann\u201c, sagt Langscheid, \u201eder kann alles auf der Welt ver\u00e4ndern.\u201c Er schickt ein L\u00e4cheln in Richtung Hafenbecken und steigt in das wackelige Gef\u00e4hrt.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<h2>Das Zauberreich des Gro\u00dfvaters<\/h2>\n<p>Paul Schatz bringt im Januar 1938 im Augster Stausee in der N\u00e4he von Basel auch ein Oloid zu Wasser. 32 Jahre sp\u00e4ter wird das Oloid und seine technische Verwendung erfolgreich in der Schweiz patentiert.<\/p>\n<p>An jenem Januartag nutzt er noch einen Prototyp aus Kupferblech, mit dem er per Handkurbel ein kleines Boot antreibt. Es scheint tats\u00e4chlich zu funktionieren. Vor lauter \u00dcberschwang kurbelt er aber so vehement, dass der Kahn in Schwingungen ger\u00e4t und kentert. Der Erfinder bezahlt den Test mit einem Sturz ins eiskalte Wasser und fast mit dem Leben.<\/p>\n<p>Schatz ist Wissenschaftler, K\u00fcnstler, Philosoph und auch Kauz. Er lebt und arbeitet im kleinen Ort Dornach, zehn Kilometer von Basel entfernt. Das Haus ist winzig. In der N\u00e4he liegt der sogenannte Bluth\u00fcgel, an dem die Schweizer Eidgenossen im Jahr 1499 die Truppen des Schw\u00e4bischen Bundes besiegten, ein grauenhaftes Gemetzel. Heute thront dort das Goetheanum \u2013 ein protziges wie eigenwilliges Geb\u00e4ude, das spirituelle Zentrum der Anthroposophen. Schatz geh\u00f6rt dieser Bewegung an wie auch viele Industrielle jener Zeit, darunter Peter von Siemens, ein Freund der Familie Schatz.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css=&#8221;.vc_custom_1564245843709{margin-bottom: 2rem !important;}&#8221;][vc_column][vc_single_image image=&#8221;4713&#8243; img_size=&#8221;full&#8221;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]1929 entdeckt Schatz das Ph\u00e4nomen der Umst\u00fclpung und damit die Form des Oloids. Er ist getrieben von der Idee, den Dingen ein neues Aussehen zu geben. Und er will mit dem umgest\u00fclpten W\u00fcrfel Schiffe antreiben, Sahne schlagen, die Luft s\u00e4ubern, Radioaktivit\u00e4t abbauen, fliegen oder den Rhein revitalisieren. Zu einer Zeit, da das Wort Umweltverschmutzung noch nicht existiert, l\u00e4sst er sich Wasser aus dem Fluss in seine Werkstatt bringen und experimentiert damit in einem Aquarium. Er stellt fest, dass bereits kleinste rotierende Oloide gro\u00dfe Wassermengen verwirbeln k\u00f6nnen, dabei die Sauerstoffzufuhr erh\u00f6hen und Mikroorganismen stimulieren.<\/p>\n<p>Schatz\u2019 Liste mit Ideen ist lang, entsprechende handschriftliche Notizen und Skizzen sind heute im Paul Schatz Archiv zu Basel einsehbar. Sein Enkel Tobias Langscheid sagt: \u201eGro\u00dfvater war immer an irgendetwas dran, erfinden, malen, oder er arbeitete an einer Holzskulptur.\u201c Die Werkstatt erscheint dem Jungen wie ein Zauberreich. 20 Quadratmeter, vollgestopft mit Holz- und Gipsmodellen, Unmengen an Papieren sowie zahlreichen eigent\u00fcmlichen Messinstrumenten. Manchmal darf der Enkel dem Gro\u00dfvater zur Hand gehen \u2013 nun sieht es so aus, als k\u00f6nnten aus dessen Ideen eine Wirklichkeit werden.<\/p>\n<p>Die von Langscheid gegr\u00fcndete Inversions-Technik GmbH l\u00e4sst heute beim Berliner Maschinenbauer Alfred Rexrodt GmbH Oloid-Anlagen produzieren, die Teiche in Australien, Abw\u00e4sser beim Fleischkonzern Comeco in Belgien, das Meeresaquarium von Wilhelmshaven, G\u00fcllebecken ungarischer Rinderfarmen oder Regenauffangbecken in Pinneberg vitalisieren.<\/p>\n<p>Mehr als 1000 Oloide zur Wasseraufbereitung sind laut Langscheid heute weltweit im Einsatz. Au\u00dferdem vermarktet er \u00fcber die mit seinem Bruder gegr\u00fcndete Kuboid GmbH auch Oloidlampen, allerlei umgest\u00fclpte geometrische Formen und weitere Produkte aus dem Nachlass von Paul Schatz. Ende November stellte das Schweizer Unternehmen 3D Wind AG das erste 3-D-Windrad Vayu vor, dessen Rotoren die Bewegung eines Oloids nachahmen. Au\u00dferdem begann die Vermarktung eines Oloid-K\u00fcchenmixers mit Kurbelantrieb.<\/p>\n<p>Nichts, woran Paul Schatz nicht auch schon gedacht hatte. Nur das Umsetzen fiel ihm schwer, er war kein Gesch\u00e4ftsmann.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css=&#8221;.vc_custom_1564245700551{margin-bottom: 2rem !important;}&#8221;][vc_column][vc_single_image image=&#8221;4717&#8243; img_size=&#8221;full&#8221;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]Schatz entwickelt seine Ideen meist in einem Kaffeehaus, wo er stets am selben Tisch sitzt. Seine fantastischen Vorhaben bringen die Familie an den Rand des Ruins. \u201eHeute den Brockhaus verkauft\u201c, liest man in seinem Tagebuch. Ein anderes Mal ist es die Uhr. Dann verliert er die Arbeit vieler Jahre, weil er die Miete f\u00fcr ein Lager nicht mehr aufbringen kann.<\/p>\n<p>Das Oloid bestimmte wie ein Gestirn das Leben der Familie. \u201eEs ging nie um etwas anderes\u201c, sagt Tobias Langscheid. Er hat dieses Erbe angenommen, das Archiv aufgearbeitet und f\u00fchrt Schatz\u2019 Arbeit weiter. Obwohl er das anf\u00e4nglich nie tun wollte. Dass er nach der Schule eine Ausbildung zum Lehrer f\u00fcr Gartenbau und Musik absolvierte, deutet er heute als unbewussten Versuch der Abgrenzung vom Gro\u00dfvater. Nun ist er doch wieder bei den Oloiden gelandet.<\/p>\n<p>Im Duisburger Hafenbecken setzt sich das kleine Boot surrend in Bewegung. Der Schiffsantrieb ist Teil des Projekts Water-Impulse, das Tobias Langscheid \u00fcber die Paul Schatz Stiftung initiiert. Er f\u00fchrt damit eines der wichtigsten Vorhaben seines Gro\u00dfvaters weiter. Dessen Idee war es, mit Oloiden nicht nur Schiffe zu bewegen, sondern gleichzeitig auch die Wasserqualit\u00e4t zu verbessern sowie Uferzonen zu sch\u00fctzen. \u201eDie Instandhaltung von Binnenwasserstra\u00dfen ist heute sehr kostspielig, weil die Wellen durch die gro\u00dfen Schiffsschrauben der Binnenfrachter zum Beispiel die Uferanlagen in Mitleidenschaft ziehen\u201c, sagt Langscheid.<\/p>\n<p>Er denkt zum Beispiel an Venedig, wo die vielen Bootsmotoren heute solche Wellen schlagen, dass sie die historische Bausubstanz gef\u00e4hrden. Bewegten sich die Vaporetti oloidangetrieben, sagt Langscheid, sch\u00fctzte dies die Gem\u00e4uer und das Gew\u00e4sser gleich mit.<\/p>\n<p>Vom Anlegesteg in Duisburg verfolgen ein Dutzend Menschen, wie das Boot sich lautlos und langsam vorw\u00e4rtsbewegt. Der gro\u00df gewachsene Langscheid sitzt begeistert im Heck des kleinen Kahns. Hinter ihm ein eigent\u00fcmliches Gest\u00e4nge, das die zwei Elektromotoren h\u00e4lt, die jeweils ein Oloid antreiben. Eine f\u00fcr diesen Bootstyp geeignete Schiffsschraube k\u00f6nnten sie mit ihrer Leistung nicht zum Rotieren bringen.<\/p>\n<p>Auszubildende von Thyssenkrupp bauten die entsprechende Halterung. Von Oloiden h\u00e4tten sie noch nie etwas geh\u00f6rt, aber nun bewegten diese das Boot tats\u00e4chlich und mit weniger Energie, als Fachleute f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tten, so Langscheid. Er habe die Motoren \u201enach meinem Bauchgef\u00fchl ausgesucht, nicht nach den Berechnungen der Experten. Ich verstehe ja auch nicht, wie das alles im Detail funktioniert.\u201c<\/p>\n<p>Bei zu gro\u00dfer Beschleunigung schlingert das kleine Boot etwas, bringen es die kleinen, wirbelnden Oloide wie damals beim Gro\u00dfvater zum Schwingen. Das Prinzip Bremsen und Beschleunigen hat sich auch \u00fcber Leben und Arbeiten von Tobias Langscheid gelegt, zwei Schritte vor, einer zur\u00fcck. \u201eAuch das Scheitern geh\u00f6rt einfach immer dazu.\u201c[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css=&#8221;.vc_custom_1564245700551{margin-bottom: 2rem !important;}&#8221;][vc_column width=&#8221;1\/2&#8243;][vc_single_image image=&#8221;4720&#8243; img_size=&#8221;full&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/2&#8243;][vc_single_image image=&#8221;4721&#8243; img_size=&#8221;full&#8221;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<h2>Bewegt Wasser mit erstaunlich wenig Energie<\/h2>\n<p>Kann das alles \u00fcberhaupt funktionieren? Immerhin beruht die Entdeckung der Oloide nicht nur auf Mathematik und Physik, sondern auch auf Esoterik. F\u00fcr Paul Schatz geh\u00f6rten Wissenschaft, Spiritualit\u00e4t und Kunst zusammen. Das klingt sch\u00f6n, ist aber nicht das, was potenzielle Kunden von Langscheid h\u00f6ren wollen. Als er das Oloid im Jahr 1995 zum ersten Mal bei einer Messe in D\u00fcsseldorf pr\u00e4sentierte, fragten alle Interessenten \u201enach technischen Parametern\u201c. Die hatte Langscheid zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht parat. Das Str\u00f6mungsverhalten rotierender Oloide ist bis heute nicht vollst\u00e4ndig verstanden. Daher ist es f\u00fcr Langscheid \u2013 weder Ingenieur noch Wissenschaftler, sondern Lehrer \u2013 nicht einfach, Kunden in einer Branche zu finden, in der vor allem Kennzahlen interessieren: Je mehr Leistung eine Umw\u00e4lzanlage in einem Kl\u00e4rwerk hat, desto besser. Und dann kommt da einer mit Oloiden, diesen aus umgest\u00fclpten W\u00fcrfeln entwickelten K\u00f6rpern, die von Elektromotoren angetrieben werden, die nicht mal die Leistung eines Handmixers erreichen. Er sagt potenziellen Kunden daher: \u201eProbiert es doch einfach mal aus.\u201c<\/p>\n<p>Das tat auch Martin Wagner, Professor an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt und Honorarprofessor der Tonqji Universit\u00e4t Schanghai. Der Fachmann f\u00fcr Abwassertechnik hat auf seinem Schreibtisch ein kleines Zier-Oloid liegen. Vor einigen Jahren experimentierte er auch mit einem gr\u00f6\u00dferen in seiner Versuchsanlage. \u201eWir haben in einem Glasbecken mit 17 Kubikmetern Inhalt ein daf\u00fcr angepasstes Oloid getestet, mit Blick auf die Durchmischungsintensit\u00e4t und den daf\u00fcr notwendigen Energiebedarf. Ich war zun\u00e4chst skeptisch, muss aber sagen, dass diese Aggregate tats\u00e4chlich erstaunliche Mengen Wasser mit deutlich weniger Energie als die konventionellen R\u00fchrwerke bewegen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Vermischen der Fl\u00fcssigkeiten ist f\u00fcr die Funktion von Kl\u00e4ranlagen essenziell. Einen weiteren Pluspunkt sieht Wagner in der schonenden Verwirbelung. \u201eIn der Wasseraufbereitung kommen F\u00e4llmittel zum Einsatz, die bewirken, dass sich feine Flocken bilden. Zu kr\u00e4ftige R\u00fchrwerke zerst\u00f6ren diese wieder und beeintr\u00e4chtigen die Aufbereitung.\u201c<\/p>\n<p>Wagner ist der Ansicht, dass Oloide f\u00fcr die Abwasserbehandlung sehr gut geeignet sind. \u201eEs ist aber auch so, dass die meisten Menschen diese Anwendung nicht kennen und entsprechend zur\u00fcckhaltend sind.\u201c<\/p>\n<p>Daher bietet die Inversions-Technik GmbH Oloide zu Testzwecken f\u00fcr drei Monate zur Miete an. Wolfgang Neumann von der Schottler GmbH, ein Installateur von Abwassertechnik, begleitete einen solchen Test f\u00fcr eine Kl\u00e4ranlage der Verbandsgemeindewerke Wittlich-Land in Altrich. Seit 2015 steht er mit der Inversions-Technik GmbH in Kontakt und bietet deren Oloide an. \u201eMich fasziniert die Antriebstechnik. Beim Test in Altrich konnten wir den Energieverbrauch der Anlage deutlich senken, bei gleichbleibenden Ablaufleistungen und Sauerstoffeintr\u00e4gen sowie einer verbesserten Aktivit\u00e4t der Mikroorganismen. Negativ war, dass die Oloid-Anlage \u00f6fter ausfiel, die Kaufentscheidung des Kunden steht bislang noch aus.\u201c<\/p>\n<p>Langscheid erkl\u00e4rt derartige Probleme so: \u201eWir h\u00e4tten damals nach der Gr\u00fcndung der Firma eigentlich erst mal forschen m\u00fcssen, Know-how sammeln, aber daf\u00fcr w\u00e4re Kapital notwendig gewesen, das wir nur f\u00fcr diese Idee nicht bekommen h\u00e4tten.\u201c Er f\u00e4ngt also einfach an. Ein Team von Ingenieuren entwickelt die ersten Maschinen, mehrere Schweizer Firmen produzieren. \u201ePrototypen gab es nie, die konnten wir uns nicht leisten, wir konzipierten gerade zu Anfang auch nach Bauchgef\u00fchl.\u201c<\/p>\n<h2>Warum nicht fliegen?<\/h2>\n<p>Als k\u00fcnftige M\u00e4rkte sieht Tobias Langscheid vor allem \u201eL\u00e4nder mit suboptimaler Einkommensstruktur\u201c. Denn solargetriebene Oloide gebe es schon f\u00fcr wenige Tausend Euro, sie lie\u00dfen sich mit sehr geringen Betriebskosten und nahezu autark in Kl\u00e4rbecken oder verschmutzten Gew\u00e4ssern einsetzen. Aber auch in komplexen Industrieanlagen, etwa der Papier- oder Chemie-Industrie, werden Oloide mittlerweile eingesetzt. Ebenso in gro\u00dfen Meerwasseraquarien wie dem in Wilhelmshaven, wo ein Oloid das Haifischbecken sanft verwirbelt.<\/p>\n<p>Als Paul Schatz 1979 stirbt, ist das kleine Haus in Dornach bis oben hin mit seinem Nachlass gef\u00fcllt. Seine Witwe ist \u00fcberzeugt, dass sich dieser wirtschaftlich verwerten l\u00e4sst. Der Rest der Familie glaubt das nicht. Das Erbe ist f\u00fcr sie eher eine Last.<\/p>\n<p>Tobias Langscheids Bruder Christoph will ebenfalls nichts damit zu tun haben, die desolaten Finanzen seiner Gro\u00dfeltern wecken aber seinen Ehrgeiz. Er ist Mitgr\u00fcnder der Stiftung Edith Maryon, die in der Schweiz und in Deutschland Immobilien f\u00fcr ausschlie\u00dflich soziale Wohn- und Arbeitskonzepte betreibt (siehe auch brand eins 09 \/ 2016: \u201eDie Stadt ist f\u00fcr alle da\u201c *). Als 17-J\u00e4hriger hatte er bereits die Kontrolle \u00fcber die gro\u00dfelterlichen Ausgaben \u00fcbernommen. \u201eWollte Oma sich etwas zum Anziehen kaufen, kam sie zu mir und fragte nach Geld.\u201c 1984 \u00fcbertr\u00e4gt die Familie schlie\u00dflich den Nachlass des Verstorbenen an die Paul Schatz Gesellschaft e. V.<\/p>\n<p>Tobias Langscheid geht zu diesem Zeitpunkt noch zur Schule. Das Erbe des Gro\u00dfvaters bleibt f\u00fcr ihn, was er heute \u201eeine Familienangelegenheit\u201c nennt. Damals k\u00fcmmert er sich um Anfragen von Museen, Kunsthochschulen, Privatpersonen und bastelt in seiner Freizeit zum Beispiel an W\u00fcrfeln zum Selber-Umst\u00fclpen. Er sitzt bei diesen Auftr\u00e4gen im Arbeitszimmer seines Gro\u00dfvaters. Bald hat er so viel zu tun, dass er einige Schulkameraden anheuert. Dann folgen Anfragen f\u00fcr Ausstellungen, die bislang in mehr als 25 St\u00e4dten Europas gezeigt wurden.<\/p>\n<p>Die st\u00e4ndige Besch\u00e4ftigung mit dem Nachlass von Paul Schatz f\u00fchrt Langscheid, obwohl er schon als Lehrer arbeitet, immer tiefer in die umgest\u00fclpte Welt zur\u00fcck. \u201eIrgendwann begann ich, alle seine Arbeiten zum Wasser aufzuarbeiten, das war dann der z\u00fcndende Funke. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass wir das mit den Oloiden noch mal versuchen sollten, diesmal aber mit betriebswirtschaftlichem Fokus.\u201c<\/p>\n<p>Anders als der Gro\u00dfvater agiert Langscheid nicht als Einzelk\u00e4mpfer, sondern baut von Anfang auf ein weites Netz von Unternehmern, Wissenschaftlern und K\u00fcnstlern, die sich vom Oloid begeistern lassen und das Erbe von Paul Schatz in immer neuen Spielarten weiterf\u00fchren.<\/p>\n<p>Langscheid selbst m\u00f6chte sich k\u00fcnftig ganz auf die Kombination von Schiffsantrieb und gleichzeitigem Gew\u00e4sserschutz konzentrieren. Er baut gerade einen Verbund aus Schweizer und deutschen Hochschulen und Unternehmen auf, um weitere Forschungen und Entwicklungen anzusto\u00dfen. Um diese Idee, aber auch die der Windkraftanlagen oder des K\u00fcchenmischers <a href=\"https:\/\/www.kuboid.ch\/kuboid\/product-category\/rhythmixx\/\">Rhythmixx<\/a> zur Marktreife zu bringen, hat er sich aus der Inversions-Technik GmbH zur\u00fcckgezogen \u2013 \u201edas Gesch\u00e4ft l\u00e4uft ja\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Schritt ist dann das Fliegen mit Oloiden. Dazu, sagt Tobias Langscheid, habe es bereits einige vielversprechende Versuche gegeben. Die Hypothesen dazu hatte Paul Schatz vor 70 Jahren aufgestellt.\u00a0<span class=\"articleClosure\">&#8212;<\/span>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8221;.vc_custom_1564247000187{padding-top: 2rem !important;padding-right: 2rem !important;padding-bottom: 2rem !important;padding-left: 2rem !important;background-color: #fafafa !important;}&#8221;]<i class=\"fas fa-external-link-alt\"><\/i> * <a href=\"https:\/\/b1.de\/erbbaurecht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">b1.de\/erbbaurecht<\/a><\/p>\n<p>Das Oloid ist einer der wenigen K\u00f6rper, die \u00fcber ihre gesamte Oberfl\u00e4che abrollen \u2013 und nie \u00fcber ihre Kanten. Die Oberfl\u00e4che ergibt eine als Ganzes abwickelbare Fl\u00e4che und l\u00e4sst sich knickfrei aus einem einzigen St\u00fcck Pappe herstellen.<\/p>\n<p><strong>Das Heliodome<\/strong><br \/>\n2012 steht ein gewisser Eric Wasser im Paul Schatz Archiv. Der Franzose behauptet, in einem Oloid zu wohnen. Das Haus befindet sich in der Region Grand Est, Wasser nennt es Heliodome. Die Architektur ist dem Lauf der Sonne nachempfunden: Fotografierte man ein ganzes Jahr lang immer zur selben Zeit von der immer selben Stelle aus den Himmel, beschriebe die Sonne eine Acht, wenn man alle Fotos \u00fcbereinanderlegte. Schnitte man dieses Bild wieder in Scheiben und baute daraus ein Haus, dann s\u00e4he es aus wie das von Wasser.<\/p>\n<p>Es erinnert an eine fliegende Untertasse, die hochkant gelandet ist. Die gro\u00dfe Fensterfront auf der einen Seite f\u00e4ngt den Sonnenlauf des Tages von der ersten bis zur letzten Minute ein, der Raum innen ist weitl\u00e4ufig \u2013 und wenn Christo das Haus verpackte, s\u00e4he man tats\u00e4chlich die Form eines Oloids.<\/p>\n<p><em>Paul Schatz wird 1898 in Konstanz geboren. 1916 erh\u00e4lt er den Graf-Zeppelin-Preis f\u00fcr hochbegabte Sch\u00fcler mit den besten Leistungen in mathematischen und naturwissenschaftlichen F\u00e4chern. Wenig sp\u00e4ter ist der 17-J\u00e4hrige Soldat an der Westfront. Das Erleben des Krieges \u00fcberzeugt ihn davon, dass die Welt ein neues Denken braucht.<\/em><\/p>\n<p><em>Er hofft, es in den neuen Techniken zu finden. Nach dem Krieg studiert er Mathematik und Maschinenbau an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Kurz vor dem Diplom wechselt er in die Astronomie. 1922 bricht er auch dieses Studium ab, entt\u00e4uscht vom abstrakten Denken in der Wissenschaft. Er beginnt eine k\u00fcnstlerische Ausbildung in Warmbrunn im Riesengebirge und schl\u00e4gt sich als Bildhauer durch. 1927 zieht er mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Emmy Schatz-Witt nach Dornach in der Schweiz, um als K\u00fcnstler, Erfinder und Techniker zu arbeiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach Hitlers Machtergreifung droht Schatz die Ausweisung nach Deutschland, was f\u00fcr ihn als Juden wahrscheinlich das Todesurteil bedeutet h\u00e4tte. Doch Schweizer Industrielle sprechen sich mit Erfolg daf\u00fcr aus, ihm in der Schweiz eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen. Seine F\u00fcrsprecher sind vor allem Reeder, sie sehen in Schatz\u2019 Idee vom neuen Schiffsantrieb mit Oloiden gro\u00dfes Potenzial. Sie bedienen damals aus der Schweiz \u00fcber die Fl\u00fcsse zahlreiche europ\u00e4ische Fernh\u00e4fen. In Deutschland hat Schatz keinen Erfolg. In einem Brief aus dem Jahr 1936 bezeichnet man ihn als \u201ediesen Badewannen-Erfinder\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Am Ende bleibt es Schatz allein, der je ein Schweizer Gew\u00e4sser mit einem Oloid-Antrieb bef\u00e4hrt. Das einzige Produkt, das er verkauft, ist die Turbula, ein Mixer, der durch rotierende Oloide besonders homogene Mischungen aus unterschiedlichen Substanzen herstellt. Das Ger\u00e4t wird vor allem in der Pharmabranche eingesetzt. Die Lizenzen f\u00fcr dieses Patent sind \u00fcber Jahrzehnte die einzige Einnahmequelle der Familie Schatz. Heute vermarktet und produziert die Willy A. Bachofen AG Maschinenfabrik die Turbula-Modelle. Weltweit sind circa 100 000 Ger\u00e4te in Betrieb.<\/em><\/p>\n<p>Weitere Anwendungen Erste Oloid-Musik von Christian Zehnder und Gregor Hilbe: 2012<\/p>\n<p>Erster fliegender W\u00fcrfel von der Festo AG: 2012<\/p>\n<p>Erster Flug eines Oloid-Ballons bei der Langen Nacht der Wissenschaften an der Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft Berlin: 2016[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Bericht aus dem \u00bbbrand eins\u00ab Magazin: Paul Schatz schuf aus einer altbekannten Form eine ganz neue \u2013 um die Welt zu ver\u00e4ndern. Sein Enkel baut nun auf dieser Idee ein Unternehmen auf.<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":4665,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[112],"tags":[114,115,144,119,116],"class_list":["post-4664","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-media-report","tag-oloid","tag-paul-schatz","tag-report","tag-tobias-langscheid","tag-invertible-cube"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4664"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5892,"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664\/revisions\/5892"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kuboid.ch\/shop\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}